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Dienstag, 3. September 2013

Auf den Spuren von Schoko da Gama

Brasilien wird mit vielen Dingen in Verbindung gebracht: Fußball, Sonne, wirtschaftlicher Aufschwung - und eben auch Zuckerrohr.
Letzterer wird entweder in Form von hochprozentigem Cachaça in die Caipirinhagläser dieser Welt gefüllt; Oder der Açúcar wird anderweitig in fast allen Speisen und Getränken verarbeitet. So oder so geht man in Südamerika recht inflationär mit dem Rohstoff um.
Dass der durchschnittliche BMI-Index der Einwohner des Landes mittlerweile schneller wächst als dessen Volkswirtschaft, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Ansonsten könnte man hinsichtlich der Oberschenkel hiesiger Einwohnerinnen Brasilien gleich als "Dellenland" bezeichnen.

Wir stellen Sie Euch vor, die südamerikanischen Genuss-Highlights in dieser Saison:



Buttrige Sahnecreme trifft auf zarte Vollmilchschokolade der brasilianischen Bohne. 




Der klassische Wafer. Ableger konnten sich hierzulande in der Amicelli-Liga etablieren. Das Besondere? Ein cremiger Nougatkern, krosse Waffel, ummantelt von einer dünnen Schokoschicht. Funktioniert.




Die zuckersüße, brasilianische Antwort auf Bounty.
Von den tropischen Palmen an der Copacabana - direkt an Eure Hüften. 




Luftige Schoko-Schaumküsse mit einer Maracujaschaum-Füllung. Es war Liebe auf den ersten Blick.




Getrocknete Plantagen-Bananen im Vollmilch-Schokomantel, deren intensives Fruchtaroma Euren Gaumen umschmeicheln. Geschmacksverstärker? Ich bitte darum.




Von Rio bis Zürich vertrauen Sportler auf die kraftspendende Wirkung von Ovolmatine.
Gepaart mit Amerikas Volksschokolade aus dem Hause Hershey ergibt sich eine unfassbar homogene Mischung und Eure Geschmacksknospen explodieren wie eine Mücke an der Windschutzscheibe.




...und jetzt stell Dir vor, das Gleiche nochmal in weißer Schokolade. Da werden sie feucht, die Blogomotivenaugen.



Milka Luflée am Arsch. Hier kommt die brasilianische Antwort, der schweizer Käse unter den Schokoriegeln. Bisher ungeklärt, ob es sich bei dem Hersteller um das bekannte Telefonunternehmen "Arcor" handelt.


Wer noch mehr über die exorbitant ausgeprägte Schokoladensucht der Autoren erfahren möchte, der hat nun die Chance - 'cause you can't knock the Hussel

Mittwoch, 21. August 2013

1973 - 2013: HipHop Renaissance

Etwas über eine Woche liegt es zurück, da hallte der HipHop-Kultur ein großes Medienecho entgegen. Nicht ohne Grund: so jährte sich zum 40. Mal ein besonderes Ereignis, das der allgemeinen Ansicht nach bis heute als die Geburtsstunde von HipHop verstanden wird. Es wer Ursprung eines kulturellen Heilsbringers neuer Generationen, eine Plattform der Jugend und nicht zuletzt ein Sprachrohr der Straße.
Der 11. August 1973 hätte ein Sommertag wie jeder andere im New Yorker Problembezirk der South Bronx werden können. Clive Campbell, 18 Jahre alt und auf der Straße nur als DJ Kool Herc bekannt, stand fokussiert an den Decks und ließ die Plattenteller kreisen. Das Besondere war, dass er an diesem Tag aus einer Laune heraus damit anfing, nur die populärsten Songsequenzen als "Breaks" herauszupicken und diese so lange zu loopen (also fortwährend abzuspielen) wie die Partygäste dazu abzappelten. Und weil er sich angesichts der überaus positiven Reaktionen im Publikum, ermutigt sah, die Party weiter am Laufen zu lassen, legte er noch schnell einen improvisierten Sprechgesang über seine Breakbeats und spuckte eine Reihe energiegeladener Raps ins Mikrofon. Das musikalische Grundgerüst des HipHop war geboren und infizierte Gleichgesinnte, die in der Person Kool Herc ihren Messias sahen.

"Clap your hands, everybody."

Malt Liquor war ihr Myrrhe, Marihuana ihr Weihrauch und das Gold vom lokalen Pfandleiher hing üppig am Halse des MCs, dem Master of the Ceremony. 
Schon bald häuften sich in New York die Parties, auf denen man wummernde HipHop Beats vernehmen konnte. 
Straßenkünstler wie Jean-Michel Basquiat, dessen SAMO©-Schriftzüge zu dieser Zeit an unzähligen Häuserwänden der Metropole prangerten, schufen zudem Akzeptanz für andere Graffiti Artists und öffneten vielen Gleichschaffenden die Tür zur Mainstream-Kunstszene, bevor Basquiat selbst zum bis heute einzigen afroamerikanischen Megastar der Malerei aufstieg.

Weil der gebürtige Jamaikaner Kool Herc jedoch ärmlichen Verhältnissen entstammte und sich für die Durchführung seiner HipHop-Parties regelmäßig gezwungen sah, das städtische Stromnetz anzuzapfen, gestaltete sich eine flächendeckende Ausbreitung der revolutionären Kunstform zunächst als äußerst schwierig. Es sollten sechs weitere Jahre ins Land ziehen bis die Sugarhill Gang im Spätsommer 1979 mit "Rapper's Delight" den ersten Radiohit mit Rapelementen landete und ihre Musik einer breiteren Masse bekannt machte. Was danach folgte war so etwas wie die erste Erfolgswelle und eine Phase, in der Namen wie Grandmaster Flash and the Furious Five, Kurtis Blow oder Africa Bambaataa die Szenerie bestimmten. HipHop war nicht mehr aufzuhalten und fand seinen vorläufig kommerziellen Höhepunkt mit der Veröffentlichung mehrerer Platin-Alben Mitte der 1980er-Jahre durch Künstler wie Run DMC oder den Beastie Boys, während Chuck D von Public Enemy HipHop als "CNN der Schwarzen" proklamierte und eine öffentliche Diskussion über die Medienwirkung auslöste.




Fast Forward ins Jetzt.
Seit den Anfangstagen von HipHop ist viel Zeit vergangen. Nicht viel erinnert heute an die ursprünglichen Tage in der South Bronx. Die einstige Nischenkultur ist zu einer Kunstform globalen Interesses herangewachsen. Und doch schließt sich hier in Deutschland erst im Jahr 2013 der inhaltliche Kreis.

Die Grundidee des HipHop befasste sich nie explizit damit, wer nun  die dicksten Autos fuhr und wer die schwersten Ketten besaß. Vielmehr ging es darum, dem seinem Gedankengut unabhängig des eigenen sozialen Hintergrunds Gehör zu verschaffen, dabei interkulturelle Grenzen zu sprengen und Menschen zusammen zu bringen, denen ohne HipHop ein gemeinsamer Nenner fehlen würde.
Der Eintritt von HipHop in das deutsche Gutbürgertum geschieht indes meist unbemerkt. Wenn heute Germanistik-Studenten in ihrem Bücherregal zwischen Rilke und Kafka auch ein Kollegah-Album stehen haben, dann zeugt das von einer homogenen Mischung unterschiedlicher Sozialstrukturen und gegenseitigem Respekt. Dass ein Megaloh aus Berlin-Moabit bezogen auf die vielschichtige Metrik in den eigenen Texte in einem Atemzug mit Wilhelm Busch oder Heinz Erhardt genannt werden könnte, fiel dabei ebenfalls völlig unter den Tisch.




Ob man nun größeren Wert auf den Inhalt oder die musikalische Aufbereitung drumherum legt, sei jedem selbst überlassen und bleibt wie so oft nichts weiter als eine Frage der Laune oder des individuellen Geschmacks. Wenn früher Prince und Madonna die Masse zum ausgelassenen Tanzen animierte, taten dies später 50 Cent und Ludacris. Wenn John Lennon und Bob Dylan die Hörerschaft einst auf gesellschaftliche Missstände hinwies und Millionen Menschen aus der Seele sprach, so übernahmen diese Aufgabe später 2Pac oder Nas.
Wir befinden uns in schnelllebigen Zeiten, in denen ein Rapsong mit drei Strophen à 16 Zeilen deutlich mehr Inhalt transportieren kann als verhältnismäßig wortkarge Popballaden. Diese Entwicklung hin zu mehr Dynamik vollzieht sich im Musikgeschäft analog zu allen anderen Medienplattformen. Seien es nun die blitzschnellen Schnitte in jeder zweiten Hollywood-Produktion oder die permanente Multitasking-Berieselung, welche auch vor Twitter-Livefeeds während der Berichterstattung zur Bundestagswahl keinen Halt macht.

Wer heute noch denkt, dass sich HipHop nur zwischen grenzdebilen Texten, künstlichen Beats aus dem Computer und einem öffentlich ausgetragenen Zwist von Bushido und Alice Schwarzer abspielt, versperrt sich einer kulturellen Bewegung, die sich seit ihrer Grundsteinlegung vor 40 Jahren pausenlos rechtfertigen musste. Mit dem Projizieren bewusst provokant und falsche agierender Persönlichkeiten auf die Arbeitsethik komplette HipHop-Gemeinde wurde jahrzehntelang ein falscher Weg vorgegeben, den die Medien nicht selten mit der Verbreitung plakativer Unwahrheiten unterstützten.
Dem häufig geäußerten Vorwurf der Verweigerung analoger Musik im HipHop etwa geht eine weitere Fehlinterpretation voraus. Im Grunde ist gar der Gegenteil der Fall, da Rapmusik in seiner relativ kurzen Historie bereits einen großen Teil zur musikalischen Sozialisation vieler Menschen beitragen konnte.
Natürlich ist es schön, wenn auch noch im 21. Jahrhundert Multiinstrumentalisten scheinbar aus dem Nichts erscheinen, um die Welt zu erobern. Genauso wichtig erscheint es aber, legendäre Momente der Musikgeschichte zu konservieren und mittels zeitgemäßen Samplings eine Neuinterpretation zu wagen.  So wird gewährleistet, dass auch die heutige Jugend noch von guter Musik aus der Vergangenheit zehrt, welche ihr sonst vermutlich entgangen wäre. Wenn also heutzutage ein junger HipHop-Fan auf Alben von Marvin Gaye oder Curtis Mayfield stößt, weil ein Rapper namens J.Cole Sequenzen aus deren alten Songs nutzt, um daraus eine wunderbare Hook im Gewand des 21. Jahrhunderts zu basteln, dann ist das mehr als nur ehrliche Wertschätzung gegenüber verstorbenen Musiklegenden. Wer noch immer anzuprangern wagt, HipHop-Künstler seien keine Vollblutmusiker, dem sei die Live-LP Late Orchestration von Kanye West an dieser Stelle wärmstens ans Herz gelegt.




Allmählich werden die Potenziale qualitativ hochwertiger HipHop-Musik von mehr und mehr Menschen wahrgenommen. Doch noch immer kursiert vielerorts die Fehlannahme, dass im Grunde genommen nur eine Art von HipHop existiere. Gut, vielleicht teilte der ein oder andere außenstehende Beobachter das Genre bisher in die zwei Lager der integrationsverweigernden Kleinkriminellen, welche einem lächerlich wirkenden Hybrid aus Grammatikpolizisten und Vorstadtpädagogen mit erhobenem Zeigefinger gegenüberstehen. Doch HipHop ist eben nicht nur Farid Bang oder Blumentopf, nicht nur schwarz und weiß. Die hiesige Szene lebt heute von ihrer Andersartigkeit und den heterogenen Strukturen, die einen bunten Flickenteppich an außergewöhnlichen Raptalenten hervorbrachten. Und so teilen sich mittlerweile Künstler wie KIZ, Marsimoto, Haftbefehl oder MC Fitti die Festivalbühnen mit Rap-Haudegen wie Samy Deluxe, den Beginnern oder Kool Savas. Es ist eine Koexistenz vieler sozialer Milieus, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. HipHop steht für Integration und ist gerade deshalb ein wertvolles Zeitdokument unserer Gegenwartskultur.
Es sind aktuelle Zahlen, welche diese These stützen, denn was die Performance in den Charts angeht, muss sich deutscher Rap längst nicht mehr verstecken. Angefangen mit den ersten Top-Platzierungen von Crossover-Künstlern wie Peter Fox und Marteria, über das Nummer-Eins-Album von Indierap-Gott Casper bis ins Hier und Heute - deutscher Rap erreichte noch nie mehr Menschen, auch nicht im Sommer '99. Ein kurzer Blick in die aktuellen Jahrescharts offenbart die augenscheinliche Zenitmarke des deutschen HipHop. Cro, Prinz Pi, Farid Bang & Kollegah, Genetikk, RAF 3.0 - allesamt schossen sie an die Spitze der deutschen Albumcharts, während ihre Labels Rekordumsatzzahlen vermelden durften. Auch wenn das Endziel einer kulturellen Gleichbehandlung noch immer außer Greifweite liegt, so scheint HipHop als Kunstform deutlich an Akzeptanz in der Mitte der deutschen Gesellschaft gewonnen zu haben.

Und was treibt derweil der Pionier und Urvater des Erfolgs? DJ Kool Herc machte 2011 zuletzt auf sich aufmerksam, als er in Anbetracht schwerer gesundheitlicher Probleme an die Öffentlichkeit trat, um Spendenzahlungen für eine lebenserhaltende OP einzutreiben - Obama Care zum Trotze. Aktuellen Medienberichten zufolge befindet sich Kool Herc derzeit wieder auf dem Wege der Besserung. Es scheint, als habe er eine zweite Chance bekommen - sein Kind namens HipHop sollte dies auch.

Montag, 29. Juli 2013

Hip Hop Open 2013



Ein kurzer Blick auf das LineUp des HipHop Open 2013 genügte, um festzustellen: Vor 12 Uhr wird sich die Blogomotive unter keinen Umständen auf den Weg zum Festivalgelände auf dem Cannstatter Wasen begeben. Viel zu kurz war die Nacht, viel zu lang sollte der Tag werden.

Man sollte schließlich einigermaßen fit sein, wenn man auf "die Open" geht. Denn es handelt sich nicht um irgendeine Rap-Veranstaltung, sondern die Stuttgarter Traditions-Veranstaltung aus der Mutterstadt des Deutschrap. Alles begann im Jahre 2000 am Stuttgarter Pragsattel. Ein Blick auf die damaligen Mainacts erinnert an die Golden Era des Stuttgarter Kolchose-Raps um die Jahrtausendwende - Afrob, Massive Töne oder Gentleman. Und nach einem kurzen Gastspiel auf der Waldau  2001- im Stadion der Stuttgarter Kickers - fanden die HHO bis ins Jahr 2007 am Ort Ihrer finalen Bestimmung statt: dem Reitstadion. 2008 folgte dann das ziemlich randomisierte "HipHop Open Minded" in Mannheim, ehe die Kolchose, nach zwei Jahren Pause, im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Wilde Zeiten. Aber zurück ins Jahr 2013.

So begab es sich, um mal einen biblischen Einstieg zu wählen, dass sich die Blogomotive  in Richtung Event bewegte - natürlich auf den Schienen. Voller Vorfreude fieberte man den anstehenden Konzerten entgegen. Große Stücke erwartete man sich vor allem von Größen des Sprechgesangs wie Action Bronson, Marteria, Megaloh, Ferris MC & DJ Stylewarz, die Beginner oder dem Wu-Tang Clan.

Es begab sich zudem, dass an besagtem 20. Juli 2013 eine Affenhitze herrschte. Da die Temperaturen bis in die späten Abendstunden nicht unter 30 Grad fallen sollten, befand man sich ca. 30% der Festivals auf verzweifelter Suche nach wirkungsvollen Mitteln, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Aus jahrelanger Erfahrung wusste man um die semi-professionelle Bewirtung der Veranstalter. Das Mitbringen von Getränken auf das Gelände war wie gewohnt strikt untersagt, in den ersten Reihen gab es gar keine Versorgung. Jedoch sollten Flüssigkeiten aller Art zu "fairen Preisen" an den unterbesetzten Getränkeständen angeboten werden. Alles also kein Problem? Nicht ganz. Die Ernüchterung kam bei der Bestellung. Denn die widerliche 0,33-Bier-Mix-Plörre des Sponsors Mixery für 4€ stieß der Blogomotive dann allerdings doch etwas auf. Und das nicht nur preislich, sondern primär geschmacklich. Und so befüllte die Blogomotive fortan ihren Tank mit Wasser. War vermutlich auch besser so.

Die Zeit für das erste Highlight war gekommen: Action Bronson. Es war die Premiere des aufstrebenden US-Rappers respektive Kochs in Stuttgart, nachdem er im vergangenen Jahr einige BRD-Konzerte spontan absagte. Trotz seines massiven Körperumfangs wusste der New Yorker mit seinem Charme, Flow und vor allem textlich zu überzeugen. Sehr gerne könnt ihr euch selbst ein Bild davon machen, indem ihr einen Blick auf das blogomotiveigene Videomaterial werft. Überzeugten legen wir zudem den Konsum der neuesten EP des jüdischen MCs mit albanischen Wurzeln Nahe. Es hört auf den sympathischen Namen "Saaab Stories". Warum drei "a" bei der Wahl des Titels genutzt wurden, bleibt an dieser Stelle unklar.


You better slow down, baby / I'm a hero in my hometown, baby.


Action Bronson - Strictly for my Jeeps (live @ HipHop Open 2013)




Moderator der Veranstaltung war Ju, der leider etwas holprig und mit Monika-Lierhaus-Flow  vergeblich versuchte die Menge anzuheizen. Diese mutierte immer mehr zum grölend-schwitzenden Mob ohne jegliches Verständnis für Verzögerungen. Vereinzelt wirkte das Mitglied der Massiven Töne, als wäre er spontan auf die Bühne geschubst worden, um einen außerplanmäßige Panne zu überbrücken.

Neben den Alt-Rappern von Blumentopf, traten zudem noch One-Hit-Wonder Tyga und Left Boy auf. Letzterer fiel vor allem negativ durch sein Justin-Bieber-Cover auf. Allgemein scheint es die Masche von Left Boy zu sein, allerlei altbekannte Samples anzuspielen, bis die Menge diese kaputtfeiert und im Anschluss den eigenen Grottensong hereinzufaden. Immer in der Hoffnung, dass die Menge nicht merkt was gerade abgeht. Aber ganz ehrlich: sowas kommt nicht mal in unserer Copy-&-Paste-Generation gut an. Die Bühnenshow war größtenteils interessanter als das Songmaterial. 
Bis zum heutigen Tag hat der Österreicher aus reichem Elternhause noch kein Album publizieren können.

Doch alles war wieder in Butter als Marteria a.k.a. Marismoto die Bühne betrat. Seine gewohnt bipolare Bühnenshow war und ist einfach ein Hingucker 
(Blogomotivführer berichtete). Nach ca. einer halben Stunde Marteria erschien Marsimoto auf der Bühne und spielte die Hits des vergangenen Jahres aus seinem Album "Grüner Samt". Selbstverständlich begleitet von einer Marsi-typischen Bühnenshow. Definitiv ein Künstler, den man mal live gesehen haben sollte.


Green Stuttgart
Doch nicht nur die Hauptbühne wusste mit Rapacts der Güteklasse A zu überzeugen. Auf der 2nd Stage betrat Megaloh um halb sechs die Bühne und legte einen Auftritt hin, nach dem man sich wirklich fragen muss, wie lange der Gute noch als hauptberuflicher Paketverlader sein Geld verdienen muss. Vor kurzem beeindruckte er übrigens auch bei Markus Lanz mit seiner fundierten Ausdrucksweise und grandiosem Wortschatz. Zumindest dann, wenn Markus Lanz ihn aussprechen ließ.

Die Special Guests von Genetikk kamen gewohnt maskiert und mit epochalem Ego auf die Bühne. Zurecht. Standen sie
 zum Zeitpunkt des Gigs mit Ihrem Album "DNA" (Da Neckbreaker Aliens) auf Platz 1 der deutschen Hitparade. Ein Rap-Duo mit herausragenden Stilelementen und einer großartigen Raptechnik. Songs wie "Yes Sir", "Liebs oder lass es" oder "DNA" klingen heute schon wie moderne Klassiker und lassen auf weiteren Output aus dem Independent-Olymp Selfmade Records hoffen.

Eine weitere Perle der HipHop Open 2013 war der Auftritt von Ferris MC mit seinem jahrelangen Buddy und Compagnon DJ Stylewarz. Obwohl beide bereits um die 40 Lenze zählen, scheinen sie nichts von ihrer Bühnenpräsenz eingebüßt zu haben. Im Gegenteil. Songs wie "Zur Erinnerung", "Ferris macht blau" oder im "Im Zeichen des Freaks" klingen heute frischer denn je. Und einer Sache ist sich die Blogomotive nach diesem Auftritt mehr als sicher: die Mongo Clikke wird in den Köpfen der Rap-Fans niemals aussterben.


Nach einem erneut etwas wirren Moderations-Auftritt von Ju wurde klar, dass der Wu-Tang-Clan seiner Allüren-Rolle gerecht wurde und standesgemäß zu spät zur Show erschien. Die Beginner wurden vorgezogen, was den Meisten vermutlich mehr als Recht war. Und so fackelten die drei Hamburger ein Bambule-/Blast-Action-Heroes-Feuerwerk vom Feinsten ab. Songtechnisch blieben keine Wünsche offen.

Der anschließende Auftritt des Clans wirkte leider etwas lustlos. Lediglich Method Man sah man die Freude am Auftritt an. Bei Klassikern wie "C.R.E.A.M.", "Gravel Pit" oder "Wu-Tang Clan ain't nuthin' to fuck with" rastete die Menge dennoch komplett aus. Long live the Idols/may they never be your rivals.


Und so fand der Tag trotz grenzdebiler Sicherheitskräfte, Stuttgart-typischer Undercover-Bullen ohne ersichtliche Daseinsberechtigung und VIP-Rängen (für die vermeintliche Feier-Elite nach Münchner Vorbild) einen versöhnlichen Abschluss.

Wer noch zufriedenstellendes Bildmaterial von uns erwartet, muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden. Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme mit den Veranstaltern, konnte die Blogomotive leider keine tieferen Einblicke hinter die Kulissen des HipHop Open 2013 werfen. Aber sei's drum. Dafür gibt es ja schließlich Profis. An dieser Stelle seien euch die Aufnahmen vom Heidelberger Knips-Gott und Marsimoto-Freund Paul Ripke ans Herz gelegt.


Und damit ihr musikalisch nicht ganz auf der Strecke bleibt, hat sich die Blogomotive erlaubt euch eine Spotify-Playlist mit den Hits der HHO 2013 zusammenzustellen. Wer Lust hat, kann gerne mal 'reinhören. Und trotz aller Subjektivität dieser Zeilen. HipHop isn't dead. Auch nicht in 2013.



Sonntag, 30. Juni 2013

Die Sonntagsfrage

Weniger als drei Monate sind es noch bis zur nächsten Bundestagswahl. Und eines muss man an dieser Stelle klar festhalten: Es war schon mal spannender. Mutti scheint fest im Sattel zu sitzen, die Opposition springt locker-lässig von einem Fettnäpfchen ins Nächste, Wolfgang Thierse verlässt den Bundestag und nun ist auch noch politische Sommerpause. Aber was soll's. Stand jetzt, ist mit großen Überraschungen nach Veröffentlichungen der ersten Hochrechnungen am 22. September ohnehin nicht zu rechnen. Und so liest man weiterhin gelangweilt die englische Tageszeitung "The Sun" und wartet gelangweilt auf die ersten Oben-Ohne-Shots unserer Kanzlerin bei ihrem Sommerurlaub in der Uckermark.

Ja, so sieht Verbitterung aus. Denn dieser Mangel an Spannung, Schlagabtauschen und menschlichen Abgründen wurmt die Blogomotive, die sich gerne zurücklehnt, entspannt mit den Fingern auf ihren wohlstandsverwöhnten Tank trommelt und die Realsatire "Politik in Deutschland" beobachtet. (Nach Todesanzeigen lesen und die verstorbenen Personen anschließend aus dem Telefonbuch streichen ist dies zudem ihr liebstes Hobby. Anm. d. Red.)

Aber immer nur zu meckern, wäre typisch deutsch. In nachdenklichen Momenten wie diesen muss man deshalb den Pionieren der grotesken Politik gedenken. Denn sie sind es, die die Politik in Deutschland überhaupt erst witzig und groß gemacht haben.

Einen Meilenstein der Satire setzte zum Beispiel das Politik-Urgestein Franz Müntefering im Jahre 2006 als amtierender Vizekanzler. Genau dann, als er sich vor  knapp sieben Jahren öffentlich darüber echauffierte, dass man als Koalition an dem gemessen würde, was in Wahlkämpfen gesagt werde. Das sei unfair.

Ein ungeheurer Skandal an dem gemessen zu werden, was man den Wählern verspricht. Das findet auch die Blogomotive, die schon immer nach dem Credo handelt, immer genau das Gegenteil davon zu machen, was ursprünglich behauptet wurde.
Man freut sich trotzdem ein wenig. Denn heutige Wahlprogramme haben meist eine geringere Halbwertzeit als die Tweets der Blogomotivführer.

Die Politik hängt diese Tage an der Dialyse. Intravenös erhält sie im Minutentakt die Vorschläge von Vertretern unzähliger Beratungsunternehmen injiziert. Was wären die Volksvertreter heute bitte ohne die nationale PR-Elite, die es immer wieder schafft die Bevölkerung mit neuen Bezeichnungen, Fremdworten oder Hetzkampagnen bei der Stange zu halten?

Ein Beispiel: Das ehemalige Schattenkabinett heißt jetzt Kompetenzteam. Vermeintlich wichtigen Informationen werden der Bevölkerung generell nur noch scheibchenweise vorgestellt, um Botschaften zu streuen und größtmögliche Verwirrung sicherzustellen. Das geht so weit, dass mittlerweile Guido Westerwelle sogar seriös, fast staatsmännisch wirkt. Immer ist sie dabei, die Öffentlichkeitsarbeit. Stets in der Hoffnung, mit semi-populistischen Botschaften das Vertrauen der Leute zu gewinnen und für niedere Zwecke zu missbrauchen.

Die Blogomotive möchte sich ebenfalls aktiv an dieser sinnfreien Verbreitung noch sinnfreierer Inhalte beteiligen und präsentiert euch deshalb die besten Wahlwerbesports der vergangenen Jahre. Sie ist stolz darauf, nachhaltig zur politischen Verblendung beigetragen zu haben.

Und jetzt zurücklehnen und genießen. Man sieht sich in der Wahlkabine.



















Dienstag, 18. Juni 2013

Der 100. Post

Mitte Juni, die Sonne brennt und in den Büros schwitzen die Menschen wie ein Mexikaner bei der Erdbeerernte. Dahingerafft von den Strapazen der täglichen Arbeit brennt das Licht im Führerhaus der Blogomotive längst nur noch auf Sparflamme.

Ein entnervter Seufzer entfährt ihr, als der Radiomoderator beim allmorgendlichen Weg ins Geschäft zum x-ten Mal Get Lucky von Daft Punk anmoderiert, dem Song himmelhoch jauchzend einen absoluten Suchtfaktor attestiert und nicht müde wird zu betonen, wie geil er doch zu diesem Wetter passen würde bevor er ihn gnadenlos herunternudelt. Ein Anruf geht im Studio ein und es meldet sich eine von der Musik völlig begeisterten Hörerin gehobenen Alters. Schlagartig wird einem bewusst, dass 90% der Bewohner im ominösen SWR3-Land vermutlich nicht durchschaut haben, worum der Song handelt - um das triebhafte Kopulieren zweier Individuen nämlich. Mit unschuldigem Geklimper geschickt verpackt feiern es sogar Opa und Oma. Und plötzlich hat man wieder Respekt vor Daft Punk und ihren (eigentlich vollkommen lächerlichen) Roboteranzügen.
Warum auch nicht? Mit einem Post am Erscheinungstag der Single hatte die Blogomotive den Hype selbst mit angekurbelt und etwa 0,00000000001% zum globalen Erfolgszug des französischen Producer-Duos beigetragen. Und für solche Erfolgsmomente leben wir. 

Alsbald fassten wir einen Entschluss - die Menschheit braucht wieder mehr von unserem Output! Da allerdings selbst den vor unserem Haus zeltenden Hardcore-Fans unter Euch entgangen sein könnte, dass wir bis dato 99 Posts auf unserem Bloggerkonto verbuchen konnten, wollen wir es hiermit noch einmal hervorheben. Die 100 Grad Fahrenheit Lufttemperatur von heute nehmen wir deshalb gerne zum völlig zusammenhangslosen Anlass, unseren 100. Jubiläumspost rauszuhauen. Eine Ode an eingefleischte Blogomotivjünger, die uns auch dann noch feiern, wenn wir mal wochenlang Sendepause hatten. Thematisch behandeln wir heute unnützes Wissen rund um unseren Blog und bieten einen kleiner Rückblick was bisher geschah. Zu guter Letzt noch ein Versprechen: auch wenn es 2013 alles Andere als dynamisch losging, die Blogomotive ist noch lange nicht am Ende und hat kreativ sowie textlich einiges in petto. Schon diese Woche geht es los, Freunde.

Und jetzt, without further ado...



Blogomotivführer Trivia

- Das Titelbild unseres Blogs, auf dem Jim Knopf & Lukas zu sehen sind, ist ein Screenshot von einem T-Shirt.

- Bei den Marsimoto-Videos auf YouTube hört man im Intro das Geräusch einen ausfahrenden Zugs, beim Outro das eines Einfahrenden.

- Über unseren Hipster-Zyklon-Profilfotos wurden unsere Augen auf der Stirn vertauscht.

- Die drittmeisten Zugriffe auf den Blogomotivenserver stammen aus Dänemark: "Dav!", meine dänischen Freunde.

- Frank Zander singt das NinjaTurtles-Intro.

- Unser Tumblr (Twinblr) hat mehr Zugriffe aus den USA als aus Deutschland. Warum wissen wir nicht.

- Unsere Tagcloud performt überhaupt nicht. Welche Tagcloud? Eben.

- Der Blogomotivführer findet es immer noch ziemlich geil, Steaks mit Butter und Knoblauch einzureiben.

- Der Blogomotivführer hält übrigens "Swaghetti YOLOnese" schon jetzt für das beste Wortspiel 2013.


Dienstag, 5. Februar 2013

Alfred Jodocus Rap

Gouda statt Fried Chicken, Heineken statt Ol' English und Haarlem anstatt Harlem.
Die Gegensätze zwischen unserem holländischen Nachbarstaat und dem HipHop-Mekka auf der anderen Seite der Pazifikküste, sie könnten nicht größer sein. Mitunter mag das wohl auch den Grund darstellen, warum viele Trends erst Jahre, wenn nicht Jahrzehnte später erkannt und aufgenommen werden. Ähnlich wie Neuseeland (die Blogomotivführer berichteten) reagiert auch das Land der Windmühlen und Tulpen eher zögerlich auf kulturelle Strömungen.

Und während die Blogomotive erschrocken mit ansehen muss, wie halb Rapdeutschland Blockplatin pumpt und plötzlich so tut, als wäre Hafti der kurdische Nietzsche, produziert eine junge Frau aus Amsterdam zeitlose Rapkunst vom Allerfeinsten - als hätte sie nie etwas Anderes getan.


Obwohl MC Melodee seit mittlerweile knapp 15 Jahren ihr Unwesen in der mitteleuropäischen Musikszene treibt, ist sie bisher nur auf dem Radar einiger Independent-Blogs aufgetaucht. Dies erscheint gerade deshalb unverständlich, da sie als Kopf ihres Bandprojekts La Melodia bereits quer über den Erdball tourte und etliche Tonträger mit ihrer bunten Palette englischsprachiger Rapflows ausfüllte.

Seit dem vergangenem Jahr befindet sich Mel auf Solopfaden und veröffentlichte passend zu einem heißen Sommer ihr von Kritikern gelobtes Gratis-Mixtape Check Out Melodee, das sich vor Allem durch Produktionen von Cookin Soul und Chuck Inglish oder die etwas überraschenden Gastbeiträge von Smif-N-Wessun und Mac Miller hervortat.
Das aus den Schornsteinen Amsterdams nicht nur heiße Rap-Luft kommt, wurde spätestens deutlich, als mit Letzterem einer der gehyptesten US-Künstler der letzten Jahre den Spliff ausdrückte und prompt einen Tourstop einlegte, um mit der selbstproklamierten "Dutch Rap Queen" einen Song namens Genius aufzunehmen.

MC Melodees Sound könnte wohl am ehesten als Neo-Klassik bezeichnet werden, bleibt immer vielfältig und ließe sich irgendwo zwischen Run DMC, Eric B & Rakim und Lil' Kim verankern.
Mit dem Titelsong ihres letzten Mixtapes landete sie in ihrer Heimat auch gleich einen urbanen Achtungserfolg und reichlich Radio-Airplay. Ein Meilenstein für die Künstlerin, welche ihre Fans gerne auch optisch in die Golden Era zurückversetzt und deshalb das dazugehörigen Video im Gewand der frühen Neunziger präsentiert. Natürlich lenkt dies nicht von der Tatsache ab, dass der Track auch für 2013er Verhältnisse ein unfassbares Brett ist.



Für Ende Februar ist die Veröffentlichung ihres Debutalbums Tape Deck angesetzt. Die ehemalige Betreiberin eines Plattenladens und Radio-DJane hat deshalb die Promo-Maschine angeworfen, war während des Jahresanfangs auf mehreren Rap Jams präsent und untermauerte ihre Ambitionen auch über die Benelux-Fanbase hinaus.
Vor wenigen Tagen gelangte schließlich die erste Single-Auskopplung in das breite Licht der Öffentlichkeit und macht zweifellos Lust auf mehr. Neben André Rieu und Armin Van Buren könnten die Niederlanden schon bald einen neuen Stern am Musikhimmel platzieren - kulturbewanderten Talenten wie MC Melodee wäre es wahrlich zu wünschen.





Montag, 21. Januar 2013

By the Rivers of Schwabylon

Das war's das wohl mit dem Weltfrieden und den guten Vorsätzen für 2013. Irgendwann wird die Menschheit zurückblicken und sagen: Mit Wolfgang Thierse fing alles an. Ein alter Bekannter der bereits ein Cover des Mixtapes BlogFlöte zieren durfte. (Blogomotivführer berichtete)

Gegen Anfang des Jahres ließ der Bundestagsvizepräsident und stolze Berliner in einem vielbeachteten Interview seinem Frust freien Lauf. Sein Fass war voll. Und der Tropfen, der es letztendlich zum überlaufen brachte, wurde durch die in der Hauptstadt ansässigen Schwaben und deren auffällige Verhaltensmuster im Alltag vergossen. Zur Erinnerung - das waren seine Worte:

„Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind. Und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche. Sie kommen hierher, weil alles so bunt und so abenteuerlich und so quirlig ist, aber wenn sie eine gewisse Zeit da waren, dann wollen sie es wieder so haben wie zu Hause. Das passt nicht zusammen. (...)"  In Berlin wolle er „Schrippen kaufen und keine Wecken und Pflaumenkuchen statt Pflaumendatschi.“




Ein Streit über den korrekten Ausdruck für ein bisschen gebackenen Teig. Soviel zu den Problemen unseres Landes. Die Blogomotive ließ sich zu diesem Zeitpunkt auf der südlichen Halbkugel die Sonne auf den Tank strahlen, war Tiefenentspannt und konnte dieser Form von Lokalpatriotismus nur ein müdes Lächeln abgewinnen.

Zurück im Schwabenland, nach einem Blick in die Zeitung, sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Die Lage ist ernst. Zwei Bundeslänger befinden sich in einer kriegerischen Auseinandersetzung. Es geht um Gentrifizierungspotenziale, Kulturwerte und sündhaft teure Immobilien. Der Sachverhalt ist kompliziert und höchst pikant.

Opfer des Spätzle-Anschlags: Das Käthe Kollwitz Denkmal im Prenzlauer Berg.
Vor wenigen Tagen attackierten schwäbische Aktivisten (sog. "Wutbürger") das Denkmal der im Dritten Reich verfolgten Künstlerin Käthe Kollwitz. Bedeutungsschwanger schütteten die Partisanen knapp 3,7 Kilo (handgeschabte!) Spätzle über deren Haupt. Ein symbolischer Akt par excellence. Doch für viele Menschen erscheint diese Art der Kritik als zumindest fragwürdig. Es ist ein Thema von bundesweitem Interesse. Zitate und Bilder gingen um die Welt. Mittlerweile erfüllt der Clinch sogar einige der Nachrichtenfaktoren der seriösesten aller Medien - dem Berliner Kurier.



Doch hinter der scheinbar sinnfreien Aktion verbirgt sich eine zentrale Forderung, gerichtet an die Berliner Minderheit in diesem Ort: ein kleiner, autonomer schwäbischer Stadtteil im Herzen der Hauptstadt.

Was für viele zunächst nach einem Hirngespinst aussieht, ist den Initiatoren bierernst. So prophezeit einer der Spätzle-Terroristen in einem exklusiven Interview mit VICE Germany den unmittelbar bevorstehenden Schwäbischen Frühling: "Der Kollwitzplatz ist unser Tahrir-Platz!"

Auf dem Blog Free Schwabylon finden sich weitere Forderungen:

Gegen eine autoritäre Berliner Minderheit!

Wir wollen nicht akzeptieren, dass Berliner uns wie Bürger zweiter Klasse behandeln. Während Schwaben an der kulturellen und wirtschaftlichen Zukunft der Stadt arbeiten, siechen Berliner in ihrem Trotz dahin. Wir fordern die Ausweisung des antischwäbischen Agitators Wolfgang Thierse aus Schwabylon.

Das Kollwitz-Denkmal ist das Symbol einer autoritären Berliner Minderheit. Wir haben es mit Spätzle beworfen, weil wir wütend sind. Und wo diese Spätzle herkommen, gibt es noch mehr. Unsere Spätzleschaber werden nicht ruhen, bis Schwabylon frei ist. Und sei es, dass der gesamte Prenzlberg unter einer Spätzleschicht schwäbischer Wut verschwindet.
Free Schwabylon!"
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Vor wenigen Stunden holten die ansässigen Berliner zum Vergeltungsschlag aus und setzten dem Denkmal im wahrsten Sinne des Wortes die Krone auf. Dies soll als Retourkutsche für diejenigen Schwaben gelten, die den nötigen Respekt vor der ehrenwerten Frau Kollwitz vermissen lassen.



Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu weiteren Ausschreitungen kommt und der Battle of Berlin unblutig endet. Die Blogomotive besucht immer gerne die Hauptstadt und hofft dort auch in Zukunft gerne gesehen zu werden. Eines ist sicher: Der nächste Besuch ist ganz der Völkerverständigung gewidmet. Damit zusammen kommt was zusammen gehört. 

Maultaschen und Club Mate.
Stuttgarter Höfbräu und Berliner Kindl
Gregor Gysi und Andreas Bär Läsker.

Freitag, 18. Januar 2013

Erlebnispark Trips Trill

Mitte Januar 2013. Die Blogomotive erwacht aus ihrem Winterschlaf. Sechs Wochen ist es nun her, dass ihr das letzte Mal von uns gehört habt. Jetzt tritt endlich wieder Qualm aus dem Schornstein.

Am anderen Ende der Welt gab es alle Hände voll zu tun - zum Beispiel  Sonnen, Reisen, Feiern und dabei immer schön kräftig Kendrick Lamar pumpen. Dabei blieb die Blogomotive leider etwas auf der Strecke. Voller Ideen und Tatendrang geht es jetzt aber in das neue Jahr und die Karten werden neu gemischt. Nachdem Action Bronson 2013 im Rahmen seiner Welttournee bereits mit einem großen Knall eröffnete, buhlt nun ein anderer Verfechter der jungen Rap-Garde um die Gunst der Szene.



Uptown Manhattan. An der Ecke 140th St / Lennox Ave kommt es vor einem lokalen Plattenladen zu einem lärmenden Menschenauflauf, der nur mühsam durch  mehrere Türsteher zurückgehalten werden kann. Innen hat ein junger Mann zur Listening Session seines neuen Albums geladen, der vor 2 Jahren noch selbst Würfel durch die engen Gassen Harlems rollte. Jetzt will jeder dabei sein, wenn New York Rap in ein neues Zeitalter eintritt.

A$AP Rocky ist ein Künstler, der sowohl die Ressorts klassischer als auch moderner Kulturmedien fast schon spielerisch dominiert. Egal ob Rolling Stone, die New York Times, Die Süddeutsche oder Blogs wie 2dopeboyz und Hypetrak - die vergangenen Monate schimmerten eindeutig in glänzendem Codein-Lila. Seit seinem wegweisenden Untergrundhit, der Hustensaft-Hymne Purple Swag ist mittlerweile mehr als ein Jahr vergangen und der unangefochtene Anführer des A$AP Mobs schickt mit Long.Live.A$AP sein langerwahrtetes Debutalbum ins Rennen. Gefühlte 12 Mal wurde die Platte immer wieder kurzfristig verschoben, nun steht sie weltweit in den Regalen von Best Buy über Virgin bis hin zu Media Markt. Trotz illegaler Raubkopierer und vielleicht gerade wegen dem Boom von digitalen Tonträgern wird von A$AP Rocky dabei nichts Anderes als die Spitze der Charts erwartet. Und nicht nur die Last seines Labels liegt auf den Schultern des 24-jährigen New Yorkers.



Fast ein Jahr nach ersten Medienberichten von einem 3-Millionen-Dollar-Deal mit Sony Entertainment liefert der selbstproklamierte "Pretty Motherfucker" eine Platte ab, die seine Fans mehr herbeisehnt hatten als ein Sextape von Megan Fox. Ohne Album und mit nur einem Mixtape im Gepäck hatte es Rocky 2012 geschafft, Hallen von Paris bis Tokyo zu füllen und nach der Show entspannt mit Daft Punk oder Pharrell im Tourbus auf das Leben anzustoßen. Ein im besten Falle mittelmäßiges Posse-Mixtape des A$AP Mobs im Sommer (Lord$ Never Worry) versetzte seine Anhänger nicht gerade in Freudenstürme und diente allerhöchstens zur Überbrückung der Wartezeit auf den Longplayer. Jetzt gilt es, den Hype aufrecht zu erhalten und im besten Falle noch weiter zu steigern.
Dass Sonys Labelbosse dabei auf Nummer sicher gehen und ja nichts dem Zufall überlassen möchten, sah man an der streng durchgeplanten Album-Promotion im Vorfeld des Releases. Clubtour durch die USA und Europa - check. Liveautritt bei David Letterman - check. Charttaugliches Rihanna-Feature inklusive MTV-Performance - check. 

Auch das Album an sich ist nicht hektisch geworden, sondern wohl überlegt und getimt. Gleich nach Betätigung der Play-Taste wird man mit dem alles andere als homogenen A$AP-Sound konfrontiert. Verzerrte Houston-Synthies treffen auf den Lifestyle der Nouveaux Riche von Harlem, New York City.




Diese auf den ersten Blick inhaltliche Diskrepanz rührt vor Allem daher, dass A$AP Rocky als Protagonist der Platte genau zu der Zeit aufwuchs, als Cam'ron und die Diplomats rappend durch die Neighborhood cruisten und UGK sich weiter im Süden den Verstand mit Sizzurp vernebelten. Genau in dieser Phase schrieb Rockys erste Raptexte und ging einen weiteren Schritt in die Richtung, die seine Mutter bereits bei seiner Geburt für ihn vorsah, als sie ihr zweites Kind nach Raplegende Rakim benannte. In der Folgezeit verbrachte der junge Rakim Mayers viel Zeit damit, Blunts zu rauchen, Edward Fortyhands zu zocken und dabei die Entwicklungen in der HipHop-Landschaft genauestens unter die Lupe zu nehmen. Nachdem sowohl sein Vater als auch sein großer Bruder der Justiz und später Gewaltverbrechen zum Opfer fielen und er sich daraufhin gezwungen sah, in ein Obdachlosenheim zu ziehen, fasste er den Entschluss, dass es von nun an nur noch nach oben gehen könne. Wenige Jahre und viel harte Arbeit später ist seine Chance gekommen. Und diese will A$AP Rocky auf jedem der zwölf Tracks nutzen.


Der Albumopener und gleichzeitige Titeltrack Long Live A$AP bietet eine kurze Einführung in die Welt des Grillz-tragenden "Pretty Flacko", der sich für den verträumten Beat sogar mit an die Regler setzte. Kurzum ein melodisches Intro, das A$AP-Standards gerecht wird und abermals untermauert, warum die Uptown Crew aus dem Nichts an die Spitze der Musikwelt schoss. Momentan beherrscht eben niemand den urbanen Straßen-Rap so gekonnt wie sie. Und das soll auch erstmal so bleiben.

Angeführt vom Single-Zugpferd Goldie zeigte uns Rocky alle "motherfuckas that he came with" und cruist dazu selbstgefällig wie es nur neureiche Proletarier sein können durch die Pariser Innenstadt. Großartig.
Danach vereint PMW hedonistische Stripclub-Fantasien mit exzellent zerstückelten Reimketten von Rockys Feature-Buddy aus Kalifornien, Schoolboy Q. Ohne Frage einer der besten Songs des Albums, auch wenn er schon vor einigen Wochen als Leak durch die Weiten des Internets geisterte.

Das er sich auch raptechnisch entwickelt hat und, wenn auch nur sporadisch, reflektierter texten kann, beweist Rocky vor Allem auf dem von Santigold mit einer karibischen Elektro-Hook unterlegtem "Hell".

Das eigentlich fast schon widerlich auf Charterflug gepolte "Fuckin' Problem" mausert sich überraschenderweise gerade durchs Drakes überragenden 16er zu einem Concerto Kokain-geschwängerter Bubenstreiche und verkaufte in kürzester Zeit über 500.000 Einheiten - schwer, da noch einen drauf zu setzen.




Rocky reagiert mit einer beneidenswerten Scheißegal-Haltung und macht das, womit nur die wenigsten gerechnet hätten. Wer, wenn nicht er wagt im Jahr 2013 auf dem eigenen Rap-Debut einen Crossover-Track mit Skrillex? Eben, niemand.


Auf Train stehen A$AP Rocky mit Kendrick Lamar, Joey Bada$$, Yelawolf, Danny Brown, Action Bronson und Big K.R.I.T. gleich sechs kontemporäre Reimschmiede zur Seite, die auf einem Mid-90s-Beat Battle-Texte rausfeuern und zu minutenlangem Kopfnicken einladen.

Leider geht es danach qualitativ abwärts. Fashion Killa holt selbst die softesten Rapfans auf den Boden der Tatsachen zurück und besteht größtenteils aus abstoßendem Name-Dropping ("Schawn Pol Goltijay") auf einem fast schon lächerlichen Jodeci-RnB-Beat. Amateurhafte Reime wie "I Adore Your Dior" komplettieren das peinliche Gefüge und resultieren in absolut unnötigem Füllmaterial, das meine Finger schon nach der ersten Strophe fleißig nach der Skip-Taste suchen lässt.
Auf Phoenix gibt sich Rocky gesellschaftskritisch, weiß aber nur streckenweise zu überzeugen, etwa wenn er den von Dangermouse gemasterten Beat auch ohne wahre Hook aufrecht erhält.  
Suddenly lässt Rocky mit souligen Samples hochschaukeln und orientiert sich ohne Zweifel an narrative Kanye-Tracks aus alten Zeiten - leider erzählt er seine Lebensgeschichte dabei nicht ganz so überzeugend wie der Junge aus Chi-Town. Trotzdem ein überlegt gezogener Schlussstrich unter einem Albums, das danach nur noch mit wenig überzeugenden Bonus Tracks aufwartet. 
Der treibende dunkel Beat auf Jodye begleitet Rocky in seiner Rolle als Südstaaten-DMX und passt zwar überraschend gut ins allgemeine Soundbild, hebt sich aber lyrisch kaum aus der Masse hervor. Auch Ghetto Symphony, auf dem Rocky wie André 3000 spittet, weiß anfangs zu überzeugen, während er sich von Doppelreim zu Doppelreim hangelt - leider enttäuschen die Feature-Beiträge von Gunplay und A$AP Ferg (als OutKast-Counterpart Big Boi) und lassen  den Hörer im Verlangen nach ein bis zwei weiteren Rocky-Verses zurück. Auch Angels und I Come Apart markieren nichts Weiteres als eine unnötige Ergänzung der Tracklist für Hardcore-Fans der Harlem Crew. 


Durch sein einzigartiges Stilbewusstsein, zeitgemäße Beats und gerade einmal ein Mixtape hat es A$AP Rocky in der kürzester Zeit, ganz oben auf der Swag-Welle mitzureiten und dabei gefährlich nahe an den Rap-Thron zu kommen. Dass diese Welle davor brechen würde, war spätestens nach Kendrick Lamars Meisterwerk im Oktober Gewissheit. 
Long.Live.A$AP ist weder Enttäuschung, noch Offenbarung. Die Platte ist eindeutig zu gut dafür, um sie als kapitalistische Foltermethode für nordkoreanische Überläufer anzuwenden. Etwa die Hälfte der Tracks erweisen sich als waschechte Clubbanger im A$AP-Stil und werden wohl bald weltweit im Suff mitgerappt werden. Die beiden wohl gewählten Singles sorgen für das nötige Airplay im Radio. Der Rest des Albums bewegt sich leider zwischen kurzweiliger Unterhaltung und völlig inakzeptabler Selbstbeweihräucherung ohne musikalische Akzente, sodass leicht das Gefühl entsteht, dass dem Künstler nach einem starken Beginn irgendwann die kreative Puste ausging.
Und trotzdem: mit seiner Debut-LP hat A$AP Rocky etwas geschaffen, das in jüngerer Vergangenheit einzig den Jungs von Odd Future vorbehalten war - Kultstatus. Rocky ist ein Trendsetter wie er im Buche steht. Was er sagt und was er trägt manifestiert sich unumgänglich in den Köpfen der Jugend. Er nutzt diese Macht zwar nicht dazu, ein Überalbum à la Illmatic zu erschaffen - Straßenrap war trotzdem selten so authentisch. Long.Live.A$AP ist ein Zeitdokument und klingt wie New Yorker Rap im Jahr 2013 zu klingen hat. Grenzen werden überschritten und Gegenpole zusammengeführt. Dirty South, West- und Eastcoast, vereint in einem Rapper names A$AP Rocky.

Auf Alice Schwarzers Geburtstag wird man den jungen Mann aus Harlem wohl nicht rappen hören - aber sonst wahrscheinlich überall auf der Welt.



Anspieltipps

- PMW (feat. Schoolboy Q)
- Fuckin' Problems (feat. Drake & Kendrick Lamar)
- Train (feat. Kendrick Lamar, Joey Bada$$, Yelawolf, Danny Brown, Action Bronson & Big K.R.I.T.)



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