Sonntag, 29. September 2013

Die kleine # Nimmersatt

Spätsommer 2013. Es ist ruhig geworden um die einst unangefochteten Masters Of The Blogger Universe. Nur tröpchenweise erscheinen die neuen Blogomotivenposts mittlerweile auf dem grauen Tristesse-Layout des 2.0-Projekts.
Erstmals wurden leise Trennungsgerüchte laut, als im vergangenen halben Jahr die zwei Autoren der Seite beruflich stark eingebunden waren und ihrer eigentlichen Erstkarriere als Social-Media-Sensation nur sporadisch nachkamen.

Heute traten die beiden Blogomotivführer erstmals selbst an die Öffentlichkeit und nahmen zu den Vorwürfen Stellung. Der überregional erscheinende Schwarzwaldbote publizierte nun erste Auszüge aus dem Interview:



"Alles Bullshit. Medienhetze! Böse Zungen behaupten sogar,
dass wir schlichtweg dem Hipstertum verfallen sind.(...)
Und dabei ist regelmäßiges Posten doch nun wirklich total 2011!"

"Internetz? Da sind wir Early Adapter. Konkurrenzplattformen? Wir glauben nicht, dass sich dieses Print auf lange Sicht durchsetzen wird. Das ist bloß eine Modeerscheinung. (lacht) NIEMAND HAT DIE ABSICHT EIN BUCH ZU BINDEN!"

"Hashtag ist ja quasi die Raute des 21. Jahrhunderts.
Im Kindi hörten wir früher nur die
Geschichte der kleinen Raute Nimmersatt. Da shat uns total inspiriert!"

"Der Entzug ist schlimm.(...) Manchmal wache ich
nachts schweißgebadet auf und schreie nach Club Mate."

"Ach, was waren das noch für Zeiten als die Blogomotive
ihre Tweets ungestört per Wählscheibe in die Welt streute.
(...) Die Achtziger! Die Prä-Hashtag-Ära!"


Das ganze Interview erhalten Sie auf Anfrage beim Autor. Alle Einnahmen kommen der FDP zugute.


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Und jetzt seht euch dieses Video an. Er heißt Jimmy Fallon und er macht bessere Comedy als wir. Umsonst. Im Internet.


Sonntag, 22. September 2013

Mein Gott, Wahltag!

Der 2013er Wahlkampf befindet sich auf den allerletzten Metern der Zielgeraden. Wochenlange Neo-Propaganda aller Parteien haben die Gehirne der Wählerschaft gnadenlos zermürbt.

Was wurde nicht alles beworben und um Stimmen gerungen? Ein der Jungen Union entwachsener, designierter Provinz-Parlamentarier wandert freitagnachts durch die Straßen der Landeshauptstadt und unterhält sich angeregt mit "jungen Bürgern am Puls der Zeit." Denn die CDU weiß, dass sich auch hier, zwischen den Pillenschmeißern im Climax und den jutebeuteltragenden Trapmusic-Hipstern im Cue ein nicht unwesentlicher Teil des Wahlkampfs abspielt. Ein progressiver Gedanke. Davon könnte sich die Stuttgarter SPD ein Schäuble abschneiden. Ein Grund mehr, warum es allen Anschein nach auf eine weitere Legislaturperiode mit Angela Merkel hinauszulaufen scheint.

Die Frage ist nur mit wem? Eine große Koalition aus Union und Sozialdemokraten wird von vielen Menschen mit Stillstand gleichgesetzt, quasi einer BRDigung des Fortschritts. Und obwohl es zur Stunde noch unklar bleibt, welche Koalition Deutschland in den nächsten vier Jahren regiert, kann die Blogomotive schon jetzt verkünden: "Ja, wir koalieren mit Angies Gesicht."

 Anbei noch ein paar konstruktive Vorschläge für jugendnahe Wahlinhalte.

Duckface-Steuer (DSt.) für chronische Gesichtkirmes-Sünder.


Vermehrte Anzahl an "Selfies" auf Wahlplakaten unserer Volksvertreter


Club-Mate-Springbrunnen mit Integrierten iPhone-Ladekabeln.


Für eine BMI-Obergrenze im Bundestag. Herr Gabriel, Herr Altmaier, ...


Gegen den Fachblogger-Mangel in Deutschland. Bloggen muss sich wieder lohnen.


Im liberalen Sinne bedeutet liberal nicht nur liberal.


Wer übrigens gerne selber mit dem Konterfei der Kanzlerin koalieren möchte, dem sei an dieser Stelle die Smartphone App "Merkelmat" wärmstens ans Herz gelegt. Kostenlos und zudem kinderleicht zu bedienen - das blicken sogar die braunen Strolche von der NPD.

Dienstag, 3. September 2013

Auf den Spuren von Schoko da Gama

Brasilien wird mit vielen Dingen in Verbindung gebracht: Fußball, Sonne, wirtschaftlicher Aufschwung - und eben auch Zuckerrohr.
Letzterer wird entweder in Form von hochprozentigem Cachaça in die Caipirinhagläser dieser Welt gefüllt; Oder der Açúcar wird anderweitig in fast allen Speisen und Getränken verarbeitet. So oder so geht man in Südamerika recht inflationär mit dem Rohstoff um.
Dass der durchschnittliche BMI-Index der Einwohner des Landes mittlerweile schneller wächst als dessen Volkswirtschaft, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Ansonsten könnte man hinsichtlich der Oberschenkel hiesiger Einwohnerinnen Brasilien gleich als "Dellenland" bezeichnen.

Wir stellen Sie Euch vor, die südamerikanischen Genuss-Highlights in dieser Saison:



Buttrige Sahnecreme trifft auf zarte Vollmilchschokolade der brasilianischen Bohne. 




Der klassische Wafer. Ableger konnten sich hierzulande in der Amicelli-Liga etablieren. Das Besondere? Ein cremiger Nougatkern, krosse Waffel, ummantelt von einer dünnen Schokoschicht. Funktioniert.




Die zuckersüße, brasilianische Antwort auf Bounty.
Von den tropischen Palmen an der Copacabana - direkt an Eure Hüften. 




Luftige Schoko-Schaumküsse mit einer Maracujaschaum-Füllung. Es war Liebe auf den ersten Blick.




Getrocknete Plantagen-Bananen im Vollmilch-Schokomantel, deren intensives Fruchtaroma Euren Gaumen umschmeicheln. Geschmacksverstärker? Ich bitte darum.




Von Rio bis Zürich vertrauen Sportler auf die kraftspendende Wirkung von Ovolmatine.
Gepaart mit Amerikas Volksschokolade aus dem Hause Hershey ergibt sich eine unfassbar homogene Mischung und Eure Geschmacksknospen explodieren wie eine Mücke an der Windschutzscheibe.




...und jetzt stell Dir vor, das Gleiche nochmal in weißer Schokolade. Da werden sie feucht, die Blogomotivenaugen.



Milka Luflée am Arsch. Hier kommt die brasilianische Antwort, der schweizer Käse unter den Schokoriegeln. Bisher ungeklärt, ob es sich bei dem Hersteller um das bekannte Telefonunternehmen "Arcor" handelt.


Wer noch mehr über die exorbitant ausgeprägte Schokoladensucht der Autoren erfahren möchte, der hat nun die Chance - 'cause you can't knock the Hussel

Mittwoch, 21. August 2013

1973 - 2013: HipHop Renaissance

Etwas über eine Woche liegt es zurück, da hallte der HipHop-Kultur ein großes Medienecho entgegen. Nicht ohne Grund: so jährte sich zum 40. Mal ein besonderes Ereignis, das der allgemeinen Ansicht nach bis heute als die Geburtsstunde von HipHop verstanden wird. Es wer Ursprung eines kulturellen Heilsbringers neuer Generationen, eine Plattform der Jugend und nicht zuletzt ein Sprachrohr der Straße.
Der 11. August 1973 hätte ein Sommertag wie jeder andere im New Yorker Problembezirk der South Bronx werden können. Clive Campbell, 18 Jahre alt und auf der Straße nur als DJ Kool Herc bekannt, stand fokussiert an den Decks und ließ die Plattenteller kreisen. Das Besondere war, dass er an diesem Tag aus einer Laune heraus damit anfing, nur die populärsten Songsequenzen als "Breaks" herauszupicken und diese so lange zu loopen (also fortwährend abzuspielen) wie die Partygäste dazu abzappelten. Und weil er sich angesichts der überaus positiven Reaktionen im Publikum, ermutigt sah, die Party weiter am Laufen zu lassen, legte er noch schnell einen improvisierten Sprechgesang über seine Breakbeats und spuckte eine Reihe energiegeladener Raps ins Mikrofon. Das musikalische Grundgerüst des HipHop war geboren und infizierte Gleichgesinnte, die in der Person Kool Herc ihren Messias sahen.

"Clap your hands, everybody."

Malt Liquor war ihr Myrrhe, Marihuana ihr Weihrauch und das Gold vom lokalen Pfandleiher hing üppig am Halse des MCs, dem Master of the Ceremony. 
Schon bald häuften sich in New York die Parties, auf denen man wummernde HipHop Beats vernehmen konnte. 
Straßenkünstler wie Jean-Michel Basquiat, dessen SAMO©-Schriftzüge zu dieser Zeit an unzähligen Häuserwänden der Metropole prangerten, schufen zudem Akzeptanz für andere Graffiti Artists und öffneten vielen Gleichschaffenden die Tür zur Mainstream-Kunstszene, bevor Basquiat selbst zum bis heute einzigen afroamerikanischen Megastar der Malerei aufstieg.

Weil der gebürtige Jamaikaner Kool Herc jedoch ärmlichen Verhältnissen entstammte und sich für die Durchführung seiner HipHop-Parties regelmäßig gezwungen sah, das städtische Stromnetz anzuzapfen, gestaltete sich eine flächendeckende Ausbreitung der revolutionären Kunstform zunächst als äußerst schwierig. Es sollten sechs weitere Jahre ins Land ziehen bis die Sugarhill Gang im Spätsommer 1979 mit "Rapper's Delight" den ersten Radiohit mit Rapelementen landete und ihre Musik einer breiteren Masse bekannt machte. Was danach folgte war so etwas wie die erste Erfolgswelle und eine Phase, in der Namen wie Grandmaster Flash and the Furious Five, Kurtis Blow oder Africa Bambaataa die Szenerie bestimmten. HipHop war nicht mehr aufzuhalten und fand seinen vorläufig kommerziellen Höhepunkt mit der Veröffentlichung mehrerer Platin-Alben Mitte der 1980er-Jahre durch Künstler wie Run DMC oder den Beastie Boys, während Chuck D von Public Enemy HipHop als "CNN der Schwarzen" proklamierte und eine öffentliche Diskussion über die Medienwirkung auslöste.




Fast Forward ins Jetzt.
Seit den Anfangstagen von HipHop ist viel Zeit vergangen. Nicht viel erinnert heute an die ursprünglichen Tage in der South Bronx. Die einstige Nischenkultur ist zu einer Kunstform globalen Interesses herangewachsen. Und doch schließt sich hier in Deutschland erst im Jahr 2013 der inhaltliche Kreis.

Die Grundidee des HipHop befasste sich nie explizit damit, wer nun  die dicksten Autos fuhr und wer die schwersten Ketten besaß. Vielmehr ging es darum, dem seinem Gedankengut unabhängig des eigenen sozialen Hintergrunds Gehör zu verschaffen, dabei interkulturelle Grenzen zu sprengen und Menschen zusammen zu bringen, denen ohne HipHop ein gemeinsamer Nenner fehlen würde.
Der Eintritt von HipHop in das deutsche Gutbürgertum geschieht indes meist unbemerkt. Wenn heute Germanistik-Studenten in ihrem Bücherregal zwischen Rilke und Kafka auch ein Kollegah-Album stehen haben, dann zeugt das von einer homogenen Mischung unterschiedlicher Sozialstrukturen und gegenseitigem Respekt. Dass ein Megaloh aus Berlin-Moabit bezogen auf die vielschichtige Metrik in den eigenen Texte in einem Atemzug mit Wilhelm Busch oder Heinz Erhardt genannt werden könnte, fiel dabei ebenfalls völlig unter den Tisch.




Ob man nun größeren Wert auf den Inhalt oder die musikalische Aufbereitung drumherum legt, sei jedem selbst überlassen und bleibt wie so oft nichts weiter als eine Frage der Laune oder des individuellen Geschmacks. Wenn früher Prince und Madonna die Masse zum ausgelassenen Tanzen animierte, taten dies später 50 Cent und Ludacris. Wenn John Lennon und Bob Dylan die Hörerschaft einst auf gesellschaftliche Missstände hinwies und Millionen Menschen aus der Seele sprach, so übernahmen diese Aufgabe später 2Pac oder Nas.
Wir befinden uns in schnelllebigen Zeiten, in denen ein Rapsong mit drei Strophen à 16 Zeilen deutlich mehr Inhalt transportieren kann als verhältnismäßig wortkarge Popballaden. Diese Entwicklung hin zu mehr Dynamik vollzieht sich im Musikgeschäft analog zu allen anderen Medienplattformen. Seien es nun die blitzschnellen Schnitte in jeder zweiten Hollywood-Produktion oder die permanente Multitasking-Berieselung, welche auch vor Twitter-Livefeeds während der Berichterstattung zur Bundestagswahl keinen Halt macht.

Wer heute noch denkt, dass sich HipHop nur zwischen grenzdebilen Texten, künstlichen Beats aus dem Computer und einem öffentlich ausgetragenen Zwist von Bushido und Alice Schwarzer abspielt, versperrt sich einer kulturellen Bewegung, die sich seit ihrer Grundsteinlegung vor 40 Jahren pausenlos rechtfertigen musste. Mit dem Projizieren bewusst provokant und falsche agierender Persönlichkeiten auf die Arbeitsethik komplette HipHop-Gemeinde wurde jahrzehntelang ein falscher Weg vorgegeben, den die Medien nicht selten mit der Verbreitung plakativer Unwahrheiten unterstützten.
Dem häufig geäußerten Vorwurf der Verweigerung analoger Musik im HipHop etwa geht eine weitere Fehlinterpretation voraus. Im Grunde ist gar der Gegenteil der Fall, da Rapmusik in seiner relativ kurzen Historie bereits einen großen Teil zur musikalischen Sozialisation vieler Menschen beitragen konnte.
Natürlich ist es schön, wenn auch noch im 21. Jahrhundert Multiinstrumentalisten scheinbar aus dem Nichts erscheinen, um die Welt zu erobern. Genauso wichtig erscheint es aber, legendäre Momente der Musikgeschichte zu konservieren und mittels zeitgemäßen Samplings eine Neuinterpretation zu wagen.  So wird gewährleistet, dass auch die heutige Jugend noch von guter Musik aus der Vergangenheit zehrt, welche ihr sonst vermutlich entgangen wäre. Wenn also heutzutage ein junger HipHop-Fan auf Alben von Marvin Gaye oder Curtis Mayfield stößt, weil ein Rapper namens J.Cole Sequenzen aus deren alten Songs nutzt, um daraus eine wunderbare Hook im Gewand des 21. Jahrhunderts zu basteln, dann ist das mehr als nur ehrliche Wertschätzung gegenüber verstorbenen Musiklegenden. Wer noch immer anzuprangern wagt, HipHop-Künstler seien keine Vollblutmusiker, dem sei die Live-LP Late Orchestration von Kanye West an dieser Stelle wärmstens ans Herz gelegt.




Allmählich werden die Potenziale qualitativ hochwertiger HipHop-Musik von mehr und mehr Menschen wahrgenommen. Doch noch immer kursiert vielerorts die Fehlannahme, dass im Grunde genommen nur eine Art von HipHop existiere. Gut, vielleicht teilte der ein oder andere außenstehende Beobachter das Genre bisher in die zwei Lager der integrationsverweigernden Kleinkriminellen, welche einem lächerlich wirkenden Hybrid aus Grammatikpolizisten und Vorstadtpädagogen mit erhobenem Zeigefinger gegenüberstehen. Doch HipHop ist eben nicht nur Farid Bang oder Blumentopf, nicht nur schwarz und weiß. Die hiesige Szene lebt heute von ihrer Andersartigkeit und den heterogenen Strukturen, die einen bunten Flickenteppich an außergewöhnlichen Raptalenten hervorbrachten. Und so teilen sich mittlerweile Künstler wie KIZ, Marsimoto, Haftbefehl oder MC Fitti die Festivalbühnen mit Rap-Haudegen wie Samy Deluxe, den Beginnern oder Kool Savas. Es ist eine Koexistenz vieler sozialer Milieus, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. HipHop steht für Integration und ist gerade deshalb ein wertvolles Zeitdokument unserer Gegenwartskultur.
Es sind aktuelle Zahlen, welche diese These stützen, denn was die Performance in den Charts angeht, muss sich deutscher Rap längst nicht mehr verstecken. Angefangen mit den ersten Top-Platzierungen von Crossover-Künstlern wie Peter Fox und Marteria, über das Nummer-Eins-Album von Indierap-Gott Casper bis ins Hier und Heute - deutscher Rap erreichte noch nie mehr Menschen, auch nicht im Sommer '99. Ein kurzer Blick in die aktuellen Jahrescharts offenbart die augenscheinliche Zenitmarke des deutschen HipHop. Cro, Prinz Pi, Farid Bang & Kollegah, Genetikk, RAF 3.0 - allesamt schossen sie an die Spitze der deutschen Albumcharts, während ihre Labels Rekordumsatzzahlen vermelden durften. Auch wenn das Endziel einer kulturellen Gleichbehandlung noch immer außer Greifweite liegt, so scheint HipHop als Kunstform deutlich an Akzeptanz in der Mitte der deutschen Gesellschaft gewonnen zu haben.

Und was treibt derweil der Pionier und Urvater des Erfolgs? DJ Kool Herc machte 2011 zuletzt auf sich aufmerksam, als er in Anbetracht schwerer gesundheitlicher Probleme an die Öffentlichkeit trat, um Spendenzahlungen für eine lebenserhaltende OP einzutreiben - Obama Care zum Trotze. Aktuellen Medienberichten zufolge befindet sich Kool Herc derzeit wieder auf dem Wege der Besserung. Es scheint, als habe er eine zweite Chance bekommen - sein Kind namens HipHop sollte dies auch.

Montag, 29. Juli 2013

Hip Hop Open 2013



Ein kurzer Blick auf das LineUp des HipHop Open 2013 genügte, um festzustellen: Vor 12 Uhr wird sich die Blogomotive unter keinen Umständen auf den Weg zum Festivalgelände auf dem Cannstatter Wasen begeben. Viel zu kurz war die Nacht, viel zu lang sollte der Tag werden.

Man sollte schließlich einigermaßen fit sein, wenn man auf "die Open" geht. Denn es handelt sich nicht um irgendeine Rap-Veranstaltung, sondern die Stuttgarter Traditions-Veranstaltung aus der Mutterstadt des Deutschrap. Alles begann im Jahre 2000 am Stuttgarter Pragsattel. Ein Blick auf die damaligen Mainacts erinnert an die Golden Era des Stuttgarter Kolchose-Raps um die Jahrtausendwende - Afrob, Massive Töne oder Gentleman. Und nach einem kurzen Gastspiel auf der Waldau  2001- im Stadion der Stuttgarter Kickers - fanden die HHO bis ins Jahr 2007 am Ort Ihrer finalen Bestimmung statt: dem Reitstadion. 2008 folgte dann das ziemlich randomisierte "HipHop Open Minded" in Mannheim, ehe die Kolchose, nach zwei Jahren Pause, im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Wilde Zeiten. Aber zurück ins Jahr 2013.

So begab es sich, um mal einen biblischen Einstieg zu wählen, dass sich die Blogomotive  in Richtung Event bewegte - natürlich auf den Schienen. Voller Vorfreude fieberte man den anstehenden Konzerten entgegen. Große Stücke erwartete man sich vor allem von Größen des Sprechgesangs wie Action Bronson, Marteria, Megaloh, Ferris MC & DJ Stylewarz, die Beginner oder dem Wu-Tang Clan.

Es begab sich zudem, dass an besagtem 20. Juli 2013 eine Affenhitze herrschte. Da die Temperaturen bis in die späten Abendstunden nicht unter 30 Grad fallen sollten, befand man sich ca. 30% der Festivals auf verzweifelter Suche nach wirkungsvollen Mitteln, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Aus jahrelanger Erfahrung wusste man um die semi-professionelle Bewirtung der Veranstalter. Das Mitbringen von Getränken auf das Gelände war wie gewohnt strikt untersagt, in den ersten Reihen gab es gar keine Versorgung. Jedoch sollten Flüssigkeiten aller Art zu "fairen Preisen" an den unterbesetzten Getränkeständen angeboten werden. Alles also kein Problem? Nicht ganz. Die Ernüchterung kam bei der Bestellung. Denn die widerliche 0,33-Bier-Mix-Plörre des Sponsors Mixery für 4€ stieß der Blogomotive dann allerdings doch etwas auf. Und das nicht nur preislich, sondern primär geschmacklich. Und so befüllte die Blogomotive fortan ihren Tank mit Wasser. War vermutlich auch besser so.

Die Zeit für das erste Highlight war gekommen: Action Bronson. Es war die Premiere des aufstrebenden US-Rappers respektive Kochs in Stuttgart, nachdem er im vergangenen Jahr einige BRD-Konzerte spontan absagte. Trotz seines massiven Körperumfangs wusste der New Yorker mit seinem Charme, Flow und vor allem textlich zu überzeugen. Sehr gerne könnt ihr euch selbst ein Bild davon machen, indem ihr einen Blick auf das blogomotiveigene Videomaterial werft. Überzeugten legen wir zudem den Konsum der neuesten EP des jüdischen MCs mit albanischen Wurzeln Nahe. Es hört auf den sympathischen Namen "Saaab Stories". Warum drei "a" bei der Wahl des Titels genutzt wurden, bleibt an dieser Stelle unklar.


You better slow down, baby / I'm a hero in my hometown, baby.


Action Bronson - Strictly for my Jeeps (live @ HipHop Open 2013)




Moderator der Veranstaltung war Ju, der leider etwas holprig und mit Monika-Lierhaus-Flow  vergeblich versuchte die Menge anzuheizen. Diese mutierte immer mehr zum grölend-schwitzenden Mob ohne jegliches Verständnis für Verzögerungen. Vereinzelt wirkte das Mitglied der Massiven Töne, als wäre er spontan auf die Bühne geschubst worden, um einen außerplanmäßige Panne zu überbrücken.

Neben den Alt-Rappern von Blumentopf, traten zudem noch One-Hit-Wonder Tyga und Left Boy auf. Letzterer fiel vor allem negativ durch sein Justin-Bieber-Cover auf. Allgemein scheint es die Masche von Left Boy zu sein, allerlei altbekannte Samples anzuspielen, bis die Menge diese kaputtfeiert und im Anschluss den eigenen Grottensong hereinzufaden. Immer in der Hoffnung, dass die Menge nicht merkt was gerade abgeht. Aber ganz ehrlich: sowas kommt nicht mal in unserer Copy-&-Paste-Generation gut an. Die Bühnenshow war größtenteils interessanter als das Songmaterial. 
Bis zum heutigen Tag hat der Österreicher aus reichem Elternhause noch kein Album publizieren können.

Doch alles war wieder in Butter als Marteria a.k.a. Marismoto die Bühne betrat. Seine gewohnt bipolare Bühnenshow war und ist einfach ein Hingucker 
(Blogomotivführer berichtete). Nach ca. einer halben Stunde Marteria erschien Marsimoto auf der Bühne und spielte die Hits des vergangenen Jahres aus seinem Album "Grüner Samt". Selbstverständlich begleitet von einer Marsi-typischen Bühnenshow. Definitiv ein Künstler, den man mal live gesehen haben sollte.


Green Stuttgart
Doch nicht nur die Hauptbühne wusste mit Rapacts der Güteklasse A zu überzeugen. Auf der 2nd Stage betrat Megaloh um halb sechs die Bühne und legte einen Auftritt hin, nach dem man sich wirklich fragen muss, wie lange der Gute noch als hauptberuflicher Paketverlader sein Geld verdienen muss. Vor kurzem beeindruckte er übrigens auch bei Markus Lanz mit seiner fundierten Ausdrucksweise und grandiosem Wortschatz. Zumindest dann, wenn Markus Lanz ihn aussprechen ließ.

Die Special Guests von Genetikk kamen gewohnt maskiert und mit epochalem Ego auf die Bühne. Zurecht. Standen sie
 zum Zeitpunkt des Gigs mit Ihrem Album "DNA" (Da Neckbreaker Aliens) auf Platz 1 der deutschen Hitparade. Ein Rap-Duo mit herausragenden Stilelementen und einer großartigen Raptechnik. Songs wie "Yes Sir", "Liebs oder lass es" oder "DNA" klingen heute schon wie moderne Klassiker und lassen auf weiteren Output aus dem Independent-Olymp Selfmade Records hoffen.

Eine weitere Perle der HipHop Open 2013 war der Auftritt von Ferris MC mit seinem jahrelangen Buddy und Compagnon DJ Stylewarz. Obwohl beide bereits um die 40 Lenze zählen, scheinen sie nichts von ihrer Bühnenpräsenz eingebüßt zu haben. Im Gegenteil. Songs wie "Zur Erinnerung", "Ferris macht blau" oder im "Im Zeichen des Freaks" klingen heute frischer denn je. Und einer Sache ist sich die Blogomotive nach diesem Auftritt mehr als sicher: die Mongo Clikke wird in den Köpfen der Rap-Fans niemals aussterben.


Nach einem erneut etwas wirren Moderations-Auftritt von Ju wurde klar, dass der Wu-Tang-Clan seiner Allüren-Rolle gerecht wurde und standesgemäß zu spät zur Show erschien. Die Beginner wurden vorgezogen, was den Meisten vermutlich mehr als Recht war. Und so fackelten die drei Hamburger ein Bambule-/Blast-Action-Heroes-Feuerwerk vom Feinsten ab. Songtechnisch blieben keine Wünsche offen.

Der anschließende Auftritt des Clans wirkte leider etwas lustlos. Lediglich Method Man sah man die Freude am Auftritt an. Bei Klassikern wie "C.R.E.A.M.", "Gravel Pit" oder "Wu-Tang Clan ain't nuthin' to fuck with" rastete die Menge dennoch komplett aus. Long live the Idols/may they never be your rivals.


Und so fand der Tag trotz grenzdebiler Sicherheitskräfte, Stuttgart-typischer Undercover-Bullen ohne ersichtliche Daseinsberechtigung und VIP-Rängen (für die vermeintliche Feier-Elite nach Münchner Vorbild) einen versöhnlichen Abschluss.

Wer noch zufriedenstellendes Bildmaterial von uns erwartet, muss an dieser Stelle leider enttäuscht werden. Trotz mehrmaliger Kontaktaufnahme mit den Veranstaltern, konnte die Blogomotive leider keine tieferen Einblicke hinter die Kulissen des HipHop Open 2013 werfen. Aber sei's drum. Dafür gibt es ja schließlich Profis. An dieser Stelle seien euch die Aufnahmen vom Heidelberger Knips-Gott und Marsimoto-Freund Paul Ripke ans Herz gelegt.


Und damit ihr musikalisch nicht ganz auf der Strecke bleibt, hat sich die Blogomotive erlaubt euch eine Spotify-Playlist mit den Hits der HHO 2013 zusammenzustellen. Wer Lust hat, kann gerne mal 'reinhören. Und trotz aller Subjektivität dieser Zeilen. HipHop isn't dead. Auch nicht in 2013.